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DALI

Der digitale Standard-Bus, über den ein Controller bis zu 64 Leuchten einzeln steuert und dimmt.

DALI: Ein Controller steuert vier Leuchten einzeln, in Gruppen oder alle zusammen — mit StatusrückmeldungDALI-Bus · 2 AdernGruppe 0ControllerDALI-GatewayA0A1A2A3
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Das ist der Aufbau: ein Controller und vier Leuchten an einer verpolungssicheren Zweidraht-Leitung. Jede Leuchte hat eine eigene Kurzadresse (A0 bis A3), zwei davon bilden die Gruppe 0.

In 30 Sekunden

DALI (Digital Addressable Lighting Interface) ist ein digitaler Kommunikationsstandard speziell für die Beleuchtung. Ein Steuergerät spricht darüber bis zu 64 Betriebsgeräte (etwa die elektronischen Vorschaltgeräte in Leuchten) über eine einfache Zweidraht-Steuerleitung an – jede Leuchte hat eine eigene Adresse. Man kann Leuchten so einzeln, in Gruppen oder alle zusammen ein- und ausschalten und stufenlos dimmen. Weil DALI genormt (IEC 62386) und verbreitet ist, lassen sich Produkte vieler Hersteller in einer Anlage kombinieren.

Der Alltagsvergleich:

Man kann sich DALI wie eine Fernbedienung mit Hausanschluss vorstellen: Statt für jede Lampe einen eigenen Schalter und eine eigene Dimmleitung zu verlegen, hängen alle Leuchten an derselben dünnen Steuerleitung. Der Controller ruft jede Leuchte per Nummer auf – so wie man in einem Grossraumbüro einzelne Personen per Namen anspricht, obwohl alle im selben Raum sind. Der Strom für die Lampe fliesst separat; über DALI gehen nur die Befehle.

Wo trifft man DALI an?

Bürobeleuchtung

Der Klassiker: Jede Deckenleuchte ist einzeln adressierbar und dimmbar. Beispiel: Am Fenster werden die Leuchten automatisch heruntergedimmt, wenn viel Tageslicht hereinkommt, weiter innen bleiben sie hell.

Tageslicht- und Präsenzabhängige Steuerung

Sensoren melden Helligkeit und Anwesenheit, die Steuerung passt das Licht an. Beispiel: Betritt niemand den Raum für 15 Minuten, schaltet DALI die Beleuchtung ab – das spart Energie ganz ohne manuellen Eingriff.

Konferenz- und Schulungsräume

Mehrere Lichtstimmungen (Szenen) auf Knopfdruck. Beispiel: Die Szene «Präsentation» dimmt die Leuchten über der Leinwand ab und lässt die restlichen hell, die Szene «Besprechung» macht alles gleichmässig hell.

Industrie- und Hallenbeleuchtung

Grosse Flächen mit vielen Leuchten, die zonenweise gesteuert werden. Beispiel: In einer Lagerhalle wird nur der Gang beleuchtet, in dem gerade jemand arbeitet, der Rest bleibt gedimmt.

Notbeleuchtung

Über DALI (speziell die Erweiterung für Notlicht) lassen sich Notleuchten überwachen und automatisch testen. Beispiel: Die Anlage prüft selbständig regelmässig die Akkus der Fluchtwegleuchten und meldet defekte Einheiten.

Human Centric Lighting / Lichtfarbe

Steuerung von Helligkeit und Farbtemperatur über den Tag. Beispiel: Morgens kühleres, aktivierendes Licht, abends wärmeres Licht – DALI überträgt neben dem Dimmwert auch die gewünschte Farbtemperatur an geeignete Leuchten.

Gut geeignet für

  • Für reine Beleuchtungsanlagen, weil DALI genau dafür entworfen ist: Einzeladressierung, sauberes Dimmen und Statusrückmeldung jeder Leuchte sind eingebaut, statt sie mühsam nachzurüsten.
  • Für herstellerübergreifende Projekte, weil der Standard (IEC 62386) und bei DALI-2 die unabhängige Zertifizierung dafür sorgen, dass Betriebsgeräte und Sensoren verschiedener Marken zusammenarbeiten.
  • Für flexible, oft umgenutzte Räume, weil sich Gruppen und Szenen per Software ändern lassen – man muss keine Kabel neu ziehen, wenn aus einem Grossraum drei kleine Büros werden.
  • Für energieeffiziente Anlagen, weil sich tageslicht- und präsenzabhängige Regelung sowie Konstantlichtregelung direkt umsetzen lassen und jede Leuchte nur so viel Licht liefert wie nötig.
  • Für Anlagen, die Wartung erleichtern sollen, weil DALI rückmeldet, welche Leuchte oder welches Vorschaltgerät ausgefallen ist – der Defekt wird gemeldet, statt dass jemand suchen muss.

Weniger geeignet für

  • Für die Gebäudeautomation als Ganzes (Heizung, Storen, Zutritt, Klima), weil DALI ein reiner Beleuchtungsbus ist; besser eignet sich hier ein übergreifender Gebäudebus wie KNX oder BACnet, in den DALI dann als Licht-Unterbus eingebunden wird.
  • Für sehr grosse Anlagen mit tausenden Leuchten an einem Strang, weil ein DALI-Bus auf 64 Adressen begrenzt ist; grössere Projekte brauchen mehrere Linien mit Gateways oder eine übergeordnete Steuerung.
  • Für schnelle Effektbeleuchtung und Bühnentechnik mit vielen Farbwechseln pro Sekunde, weil DALI mit rund 1200 bit/s bewusst langsam ist; besser passen hier DMX512 oder für LED-Pixel direkt Protokolle wie Art-Net.
  • Für die einfachste denkbare Dimmung einer einzelnen Leuchtengruppe ohne Rückmeldung, weil dort der Aufwand für Adressierung und Inbetriebnahme kaum lohnt; ein klassisches 0-10V-Signal oder eine Phasenabschnitt-Dimmung genügt.

Fakten

Voller Name
Digital Addressable Lighting Interface
Norm/Standard
IEC 62386 (DALI-2); ältere Basis IEC 60929
Teilnehmer pro Bus
Bis zu 64 Betriebsgeräte, Adressen 0–63
Gruppen / Szenen
16 Gruppen, bis zu 16 Szenen
Medium
Verpolungssichere Zweidraht-Steuerleitung, SELV (Schutzkleinspannung), kein Starkstrom
Datenrate
Rund 1200 bit/s (bewusst langsam und robust)
Kommunikation
Bidirektional: Einzel-, Gruppen- und Broadcast-Befehle plus Statusrückmeldung
Dimmung
Logarithmische Dimmkurve, ans menschliche Auge angepasst

Im Detail

Steuerung getrennt vom Strom

DALI trennt sauber zwischen der Netzspannung, die die Lampe zum Leuchten bringt, und der Steuerung. Über die beiden DALI-Adern läuft nur die Kommunikation als Schutzkleinspannung (SELV). Die Leitung ist verpolungssicher – man kann die zwei Adern nicht falsch herum anschliessen –, was die Installation deutlich entspannt. Die Steuerleitung liefert zudem etwas Hilfsenergie, sodass einfache Geräte wie Taster oder Sensoren keine eigene Stromversorgung brauchen.

Adressen, Gruppen und Broadcast

Jedes der bis zu 64 Betriebsgeräte erhält bei der Inbetriebnahme eine eigene Adresse (0 bis 63). Der Controller kann eine einzelne Leuchte gezielt ansprechen, mehrere zu einer von 16 Gruppen zusammenfassen oder mit einem Broadcast-Befehl alle gleichzeitig steuern. Zusätzlich lassen sich bis zu 16 Szenen speichern – also feste Kombinationen von Helligkeitswerten, die auf einen Befehl hin abgerufen werden.

Rückmeldung statt Blindsteuerung

Anders als bei einer reinen Steuerleitung ist DALI bidirektional: Betriebsgeräte melden zurück, wie hell sie gerade leuchten, ob die Lampe defekt ist oder ob das Vorschaltgerät einen Fehler hat. Dadurch weiss die Anlage jederzeit, in welchem Zustand jede einzelne Leuchte ist – die Grundlage für Fernüberwachung und gezielte Wartung.

Dimmen, wie das Auge es wahrnimmt

Das menschliche Auge empfindet Helligkeit nicht linear: Von wenig Licht fällt uns eine kleine Änderung stark auf, bei viel Licht kaum. DALI nutzt deshalb eine logarithmische Dimmkurve. Dadurch wirkt ein Dimmvorgang von 0 auf 100 Prozent gleichmässig und weich, statt am Anfang zu springen und am Ende kaum sichtbar zu sein.

DALI-2 und die Erweiterungen

DALI-2 (unter der Norm IEC 62386) hat den Standard geöffnet und um eine unabhängige Zertifizierung samt Logo erweitert: Zertifizierte Produkte verschiedener Hersteller arbeiten verlässlich zusammen. Neu sind bei DALI-2 auch Eingabegeräte offiziell Teil des Standards, etwa Präsenz- und Tageslichtsensoren oder Wandtaster. Ergänzungen wie D4i bringen Daten direkt in die Leuchte (Betriebsstunden, Energie, Temperatur) für IoT-Anwendungen und Anlagen wie das erwähnte überwachte Notlicht.

Abgrenzung zu KNX und 0-10V

DALI ist ein spezialisierter Beleuchtungsbus, kein Gesamtsystem für das Gebäude. Wo Heizung, Storen, Zutritt und Licht zusammenspielen sollen, kommt ein übergreifender Gebäudebus wie KNX oder BACnet zum Einsatz, in den DALI als Unterbus für das Licht eingebunden wird. Der ältere Vorgänger 0-10V ist eine rein analoge Dimm-Spannung: Sie kann nur den Helligkeitswert vorgeben, hat keine Adressen, keine Gruppen und keine Rückmeldung. DALI ersetzt diese Analogtechnik in modernen Anlagen weitgehend.