// Software & Tool

Home Assistant

Open-Source-Zentrale fürs Smart Home: vereint Geräte aller Hersteller und läuft komplett lokal — ohne Cloud-Zwang.

Home Assistant: Eine lokale Zentrale vereint Zigbee, WLAN, Matter und MQTT zu Entitäten, Automationen und einem Dashboard — auch ohne InternetLampeFunk: ZigbeeSteckdoseFunk: WLANThermostatFunk: MatterBewegungsmelderFunk: MQTT
Tempo:

Schritt 1 von 7

Das Ausgangsproblem: vier Geräte, vier Funkstandards — und für jedes eine eigene App. Nichts spricht miteinander.

// Teste dich

Frage 1 von 3

Was ist die Besonderheit von Home Assistant gegenüber vielen kommerziellen Smart-Home-Systemen?

In 30 Sekunden

Home Assistant ist eine kostenlose Open-Source-Software, die aus verstreuten Smart-Home-Geräten ein Ganzes macht. Über tausende Integrationen bindet sie Lampen, Steckdosen, Sensoren und Thermostate verschiedenster Hersteller ein — egal ob Zigbee, WLAN, Matter oder MQTT. Alle Geräte lassen sich in Automationen verknüpfen und auf einem gemeinsamen Dashboard bedienen. Das Besondere: Alles läuft lokal auf eigener Hardware, etwa einem Raspberry Pi. Es funktioniert auch ohne Internet, und die Daten bleiben im Haus.

Der Alltagsvergleich:

Home Assistant ist wie ein mehrsprachiger Dirigent für ein zusammengewürfeltes Orchester: Jedes Instrument (Gerät) spricht seine eigene Sprache — Zigbee, WLAN, Matter oder MQTT. Der Dirigent versteht sie alle, gibt den Takt vor (Automationen) und macht aus lauter Solisten ein Zusammenspiel. Und das Konzert findet im eigenen Wohnzimmer statt — nicht in einem fernen Cloud-Saal.

Wo trifft man Home Assistant an?

Licht und Beschattung

Der Einstiegs-Klassiker: Licht nach Bewegung und Tageszeit, Storen nach Sonnenstand. Beispiel: Die Storen fahren automatisch ab, wenn die Sonne auf die Fensterfront brennt — und wieder hoch, wenn es bewölkt ist.

Heizung und Energie

Thermostate je Raum steuern und Stromfresser gezielt schalten. Beispiel: Der Boiler heizt bevorzugt dann, wenn die Photovoltaik-Anlage gerade Überschuss liefert.

Anwesenheit und Sicherheit

Bewegungsmelder, Tür- und Fensterkontakte, Kameras. Beispiel: Verlässt die letzte Person das Haus und ein Fenster ist noch offen, kommt eine Meldung aufs Handy.

Geräte-Silos vereinen

Bestehende Geräte verschiedener Marken in einer Oberfläche zusammenführen, statt neu zu kaufen. Beispiel: IKEA-Lampe, Shelly-Relais und Sonos-Box arbeiten in derselben Automation zusammen.

Energie-Dashboard

Verbrauch, Produktion und Kosten auf einen Blick. Beispiel: Das eingebaute Energie-Dashboard zeigt, dass der alte Tiefkühler ein auffällig grosser Dauerverbraucher ist.

Eigene Sensoren und Basteleien

Mit ESPHome oder MQTT werden selbst gebaute Sensoren zu vollwertigen Geräten. Beispiel: Ein ESP32 mit Temperaturfühler im Gewächshaus meldet seine Werte direkt an Home Assistant.

Gut geeignet für

  • Für Haushalte mit Geräten vieler Hersteller, weil tausende Integrationen die einzelnen App-Silos zu einem System zusammenführen.
  • Für alle, denen Datenschutz wichtig ist, weil Steuerung und Messwert-Historie lokal bleiben und keine Cloud mitliest.
  • Für zuverlässige Automationen, weil sie auch bei Internet-Ausfall weiterlaufen — die Logik wohnt im Haus, nicht auf fremden Servern.
  • Für Bastler und Technikaffine, weil ESPHome, MQTT und Node-RED nahtlos andocken und praktisch alles erweiterbar ist.
  • Für langlebige Installationen, weil offene Standards wie Matter unterstützt werden und eine sehr grosse Community das Projekt trägt.

Weniger geeignet für

  • Für reine Plug-and-play-Nutzer ohne Lust auf Einarbeitung, weil Einrichtung und Pflege Zeit kosten; besser fertige Systeme wie Apple Home, Amazon Alexa oder Bosch Smart Home.
  • Für gewerbliche Gebäudeautomation mit Gewährleistungspflicht, weil es Community-Software ohne Herstellergarantie ist; besser KNX oder Loxone mit Systemintegrator.
  • Für Wohnungen mit nur ein, zwei smarten Geräten, weil sich der Betrieb einer eigenen Zentrale dann kaum lohnt; die Hersteller-App reicht dort völlig.

Fakten

Typ
Smart-Home-Zentrale, Open Source
Start
2013 von Paulus Schoutsen, heute von der Open Home Foundation getragen
Lizenz
Apache 2.0, kostenlos
Integrationen
mehrere tausend unterstützte Geräte und Dienste
Läuft auf
Raspberry Pi, Mini-PC, NAS oder als Docker-Container
Bedienung
Web-Oberfläche und Handy-App (Standard-Port 8123)
Automationen
Trigger → Bedingung → Aktion, grafisch oder in YAML
Funkstandards
Zigbee, Z-Wave, Matter/Thread, WLAN, Bluetooth, MQTT (je nach Anbindung)

Im Detail

Das Problem: jedes Gerät eine eigene Insel

Wer Smart-Home-Geräte verschiedener Marken kauft, endet schnell bei vier, fünf Apps: eine für die Lampen, eine für die Steckdosen, eine fürs Thermostat. Die Geräte wissen nichts voneinander — die Zigbee-Lampe kann nicht auf den WLAN-Bewegungsmelder reagieren, weil beide in getrennten Welten leben. Genau diese Inseln verbindet Home Assistant.

Integrationen und Entitäten: alles wird gleich

Für jede Geräte-Welt gibt es eine Integration — für Zigbee, Matter, MQTT, für Hersteller wie Philips Hue oder Shelly und für Dienste wie Wettervorhersagen. Sobald ein Gerät eingebunden ist, wird es zur Entität: einem einheitlichen Objekt mit Name und Zustand, etwa light.stube oder sensor.aussentemperatur. Ab diesem Moment ist egal, welcher Funk dahintersteckt — alle Entitäten lassen sich gleich anzeigen, verknüpfen und automatisieren.

Automationen: Wenn — dann, lokal entschieden

Eine Automation besteht aus drei Teilen: Trigger (Bewegung erkannt), optionale Bedingung (nur wenn es dunkel ist) und Aktion (Licht einschalten). Das lässt sich im grafischen Editor zusammenklicken oder als YAML-Text schreiben. Entschieden wird alles lokal auf der Zentrale — darum reagieren Automationen praktisch verzögerungsfrei und funktionieren auch dann, wenn das Internet gerade tot ist.

Lokal statt Cloud: der entscheidende Unterschied

Viele kommerzielle Systeme schicken jeden Schaltbefehl über die Server des Herstellers. Das heisst: Ohne Internet geht nichts, die Nutzungsdaten liegen extern, und stellt der Hersteller den Dienst ein, wird das Gerät nutzlos. Home Assistant dreht das um: Die Zentrale steht im eigenen Haus, Daten und Steuerung bleiben dort. Cloud-Dienste lassen sich anbinden, wenn man will — nötig sind sie nicht.

Hardware und Einstieg

Am einfachsten startet man mit dem eigenen Betriebssystem Home Assistant OS auf einem Raspberry Pi oder einem Mini-PC; alternativ läuft Home Assistant als Docker-Container auf einem vorhandenen Server oder NAS. Für Zigbee oder Thread kommt meist ein USB-Funkstick dazu. Ehrlich gesagt: Der Einstieg kostet ein paar Abende — dafür wächst das System danach mit jedem Gerät und jeder Idee mit.

Das Projekt lebt von einer der grössten Open-Source-Communities überhaupt: monatliche Updates, unzählige Anleitungen und Erweiterungen wie ESPHome für Eigenbau-Sensoren oder lokale Sprachsteuerung. Mit der Unterstützung des herstellerübergreifenden Standards Matter ist Home Assistant zudem gut für die kommenden Gerätegenerationen aufgestellt.