Node-RED
Low-Code-Werkzeug, das Datenflüsse per Drag-and-drop verdrahtet — vom Sensor zum Dashboard in Minuten.
Node-RED läuft im Browser: links die Palette mit fertigen Bausteinen (Nodes), rechts die leere Arbeitsfläche.
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Die Arbeitsfläche im echten Node-RED-Editor — noch leer.
In 30 Sekunden
Node-RED ist ein grafischer Flow-Editor, der im Browser läuft. Statt Code zu schreiben, verbindet man fertige Bausteine (Nodes) mit Drähten zu Abläufen (Flows): ein Node empfängt Daten, der nächste prüft sie, der dritte zeigt sie an oder schickt eine Meldung. Die Palette umfasst tausende fertige Bausteine — MQTT, Modbus, HTTP, Datenbanken, Dashboards, E-Mail. Node-RED basiert auf Node.js, wurde bei IBM entwickelt und läuft auf einem Raspberry Pi genauso wie auf einem Industrie-Gateway oder Server. Ein Klick auf Deploy, und der Flow ist live.
Node-RED ist wie ein Steckbrett (Breadboard) in der Elektronik: Fertige Bauteile werden aufgesteckt und mit Drähten verbunden, statt eine Platine zu entwerfen und zu löten. Wer den Aufbau ändern will, steckt einfach um — in Sekunden, ohne Spezialwerkzeug. Und genau wie beim Steckbrett gilt: perfekt zum Aufbauen und Ausprobieren, aber ein Serienprodukt baut man am Ende anders.
Wo trifft man Node-RED an?
IoT-Prototypen und Machbarkeits-Tests
Der Klassiker: In einer Stunde vom Sensor zur ersten Auswertung. Beispiel: Ein Temperaturfühler meldet per MQTT, Node-RED prüft den Wert und zeigt ihn als Zeiger-Instrument im Dashboard an.
Heimautomatisierung
Node-RED ist in der Smart-Home-Szene weit verbreitet und arbeitet eng mit Home Assistant, Zigbee2MQTT oder Philips Hue zusammen. Beispiel: Wenn der Bewegungsmelder nachts auslöst, geht das Flurlicht gedimmt an.
Industrie- und OT-Datenerfassung
Maschinendaten von der SPS abholen und weiterreichen — mit fertigen Nodes für Modbus, OPC UA oder S7. Beispiel: Ein Gateway liest Zählerstände per Modbus und publiziert sie als MQTT-Topics.
Protokoll-Übersetzer und Integrations-Kleber
Systeme verbinden, die von Haus aus nicht miteinander reden. Beispiel: Ein Webhook aus einer Cloud-Anwendung wird entgegengenommen, umgeformt und in eine lokale Datenbank geschrieben.
Dashboards und Visualisierung
Mit den Dashboard-Nodes entstehen ohne Web-Entwicklung bediensichere Oberflächen mit Anzeigen, Diagrammen und Schaltern. Beispiel: Eine Übersichtsseite zeigt alle Hallentemperaturen live an.
Alarmierung und Benachrichtigung
Grenzwerte überwachen und Meldungen verschicken — per E-Mail, Telegram oder an ein Ticketsystem. Beispiel: Übersteigt die Kühlraum-Temperatur 8 Grad, geht sofort eine Alarm-E-Mail raus.
Gut geeignet für
- Für schnelle Prototypen, weil ein lauffähiger Datenfluss in Minuten zusammengeklickt ist — inklusive Anzeige und Alarm.
- Für Techniker ohne Programmier-Hintergrund, weil die Logik sichtbar als Diagramm vorliegt statt in Code-Dateien versteckt.
- Für Edge-Geräte wie den Raspberry Pi oder Industrie-Gateways, weil Node-RED leichtgewichtig ist und vielerorts vorinstalliert mitgeliefert wird.
- Für Protokoll-Vielfalt, weil die Community tausende fertige Nodes pflegt — von MQTT über Modbus und OPC UA bis zu Datenbanken und Chat-Diensten.
- Für den Integrations-Alltag, weil sich mit dem function-Node bei Bedarf eigenes JavaScript einschieben lässt, wenn Klicken allein nicht reicht.
Weniger geeignet für
- Für komplexe Software-Projekte mit viel Geschäftslogik, weil grosse Flows schnell zum unübersichtlichen Drahtverhau werden; besser klassische Entwicklung in Python, TypeScript oder Java.
- Für Teams mit strengem Versionierungs-, Test- und Review-Prozess, weil ein Flow als eine grosse JSON-Datei gespeichert wird — Änderungen sind schwer vergleichbar, automatische Tests aufwendig; besser Code mit Git-Workflow.
- Für harte Echtzeit-Steuerung von Maschinen, weil Node.js keine garantierten Reaktionszeiten liefert; besser eine SPS mit PROFINET oder EtherCAT.
- Für sehr hohe Datendurchsätze und Stream-Verarbeitung im grossen Stil, weil ein einzelner Node-RED-Prozess dort an Grenzen stösst; besser Apache Kafka mit eigener Verarbeitung.
Fakten
- Node-RED
- 2013 bei IBM Emerging Technology entstanden, aus dem MQTT-Umfeld
- Open Source unter dem Dach der OpenJS Foundation
- Node.js (JavaScript); Editor läuft im Browser
- Nodes und Flows; tausende Zusatz-Nodes über die Palette (npm)
- Raspberry Pi, Industrie-Gateways, Server, Docker-Container
- function-Node mit JavaScript; Dashboard-Nodes für Oberflächen
- Apache 2.0 (frei nutzbar, auch kommerziell)
Im Detail
Vom IBM-Projekt zum Standard-Werkzeug
Node-RED entstand 2013 bei IBM Emerging Technology als internes Hilfsmittel, um Hardware, Schnittstellen und Online-Dienste schnell zusammenzustöpseln — im selben Umfeld, in dem auch MQTT gross wurde. IBM stellte das Werkzeug früh als Open Source zur Verfügung; heute wird es unter dem Dach der OpenJS Foundation weiterentwickelt. In der IoT- und Smart-Home-Szene ist es seither ein Standard-Werkzeug, und viele Hersteller liefern es auf ihren Industrie-Gateways gleich mit.
Wie ein Flow funktioniert
Ein Flow ist eine Kette von Bausteinen (Nodes), die im Browser per Drag-and-drop verdrahtet wird. Durch diese Kette wandert ein Nachrichten-Objekt, das msg-Objekt: Der Eingangs-Node füllt es zum Beispiel mit einem Messwert, ein function-Node prüft oder verändert den Inhalt, der Ausgangs-Node zeigt ihn an oder leitet ihn weiter. Ein Klick auf den Deploy-Knopf schaltet die Änderungen scharf — ohne Compiler und ohne Neustart des Servers.
Die Palette: tausende fertige Bausteine
Die Grundausstattung deckt MQTT, HTTP, WebSocket, Dateien und Zeitsteuerung ab. Über den Palette-Manager lassen sich tausende Community-Nodes nachinstallieren: Modbus und OPC UA für die Industrie, Datenbanken wie InfluxDB und PostgreSQL, Benachrichtigungen per E-Mail oder Telegram, dazu komplette Dashboard-Bausteine mit Anzeigen, Diagrammen und Schaltern. Genau diese Breite macht Node-RED zum Universal-Kleber zwischen Systemen.
Wenn Klicken nicht reicht: der function-Node
Node-RED ist Low-Code, nicht No-Code: Wo die fertigen Bausteine aufhören, schreibt man im function-Node ein paar Zeilen JavaScript — etwa um einen Messwert umzurechnen oder eine Alarm-Bedingung zu formulieren. Das hält die Einstiegshürde niedrig, ohne bei der ersten Sonderlocke in eine Sackgasse zu führen.
Betrieb, Grenzen und Absicherung
Im Dauerbetrieb läuft Node-RED typischerweise als Dienst oder Docker-Container. Zwei Punkte gehören auf die Checkliste: Erstens ist der Editor ab Werk ohne Anmeldung erreichbar — wer den Flow ändern kann, steuert die Anlage, darum Editor-Passwort und HTTPS aktivieren. Zweitens wächst mit dem Erfolg die Komplexität: Ein Flow mit hunderten Nodes ist schwerer zu warten als sauberer Code, und weil Flows als eine JSON-Datei gespeichert werden, bleiben Versionierung und automatisierte Tests mühsam. Für Prototypen und Integrationsaufgaben ist das verschmerzbar — wächst daraus ein Produkt, ist der Wechsel zu klassischer Software-Entwicklung der ehrlichere Weg.
